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Ritzen

Selbstverletzedes Verhalten beschreibt eine Reihe von Verhaltensweisen, bei denen sich Menschen absichtlich selber Wunden oder Veletzungen zufügen.

ArtenBearbeiten

Es gibt verschiedene Arten von Selbstverletungen, meistens wendet eine Person mehrere an. Zu den am Häufigsten angewandet Arten zählen:

  • das Aufschneiden, Aufkratzen oder Aufritzen (sog. Ritzen) der Haut an den Armen und Beinen mit spitzen und scharfen Gegenständen wie Rasierklingen, Messern, Scheren oder Scherben; eine Häufung der Narben ist am nicht-dominanten (Unter-)Arm zu finden, aber auch beide Arme können von Narben übersät sein, wie auch zum Beispiel Bauch, Beine, Brust, Genitalien oder das Gesicht.
  • wiederholtes „Kopfschlagen” (entweder mit den eigenen Händen gegen den Kopf, ins Gesicht oder mit dem Kopf an Gegenstände)
  • wiederholtes oder einmaliges Boxen gegen harte Gegenstände bis Hämatome oder Blutungen auftreten.
  • das Schlagen des Körpers (zum Beispiel Arme und Beine) mit Gegenständen
  • das Ausreißen von Haaren (Trichotillomanie)
  • In-die-Augen-Bohren
  • Mit Nadeln (z.B. Sicherheitsnadeln) stechen
  • Das Beißen in erreichbare Körperpartien, auch Abbeißen von Fingerkuppen und „Zerkauen” der Innenseite von Wangen oder Lippen
  • Verbrennungen und Verbrühungen (zum Beispiel Zigarettenausdrücken auf dem eigenen Körper, Hand über eine Kerze halten)
  • Einnahme schädlicher Substanzen (wie zum Beispiel Reinigungsmittel)
  • Intravenöse, subkutane oder intramuskuläre Injektion schädlicher Substanzen
  • Verätzung des Körpers durch Chemikalien
  • Wangenkauen (siehe auch Morsicatio buccarum)
  • Das langanhaltende Aufsprühen von Deodorants oder Körpersprays auf eine Stelle, bis Erfrierungen auftreten.
  • Fingernägelkauen (Onychophagie), wobei die leichteren, auf Nervosität beruhenden Formen nicht unbedingt zu den Selbstverletzungen gezählt werden, jedoch schmerzende Nagelverletzungen und Ausreißen der Nägel Selbstverletzungen darstellen.

Es ist umstritten, ob bei der Verletzung des eigenen Körpers Endorphine (Glückshormone) ausgeschüttet werden, die den Schmerz lindern, wie es bei körperlicher Anstrengung oder auch einer Geburt der Fall ist. Diese werden in Verbindung mit Adrenalin ausgeschüttet, da der Körper durch die Selbstverletzungen in eine starke Form des Stresses versetzt wird.

Es steht fest, dass eine Gewöhnung stattfindet, die extremere Selbstverletzungen nach sich zieht (tiefere Schnitte, großflächigere Verbrennungen), um die gesuchte Befriedigung zu erreichen.

Nicht immer allerdings werden Endorphine oder Adrenalin ausgeschüttet; bei „Beißern” tritt nicht die Form des Stresses auf, sondern genau das Gegenteil: Der Betroffene steht unter Druck. Wie bei anderen Verletzungen auch werden die Wunden immer größer bzw. tiefer, um den (wiederum durch das Beißen provozierten und gesteigerten) Druck abbauen zu können. Überdies ist therapeutisch nicht eindeutig erwiesen, ob es sich bei autoaggressivem Verhalten um eine Art Selbstbelohnungs- oder Selbstbestrafungstrieb handelt.

Bei einer Multiple-Choice-Studie auf einer Homepage, die sich mit dem Thema befasst, wurde festgestellt, dass viele Menschen mit selbstverletzendem Verhalten mehrere Arten der Selbstverletzung praktizieren (teils kombinieren):

Schneiden (Ritzen) wurde mit einer Häufigkeit von 72 % angegeben, 35 % verbrannten sich, 30 % schlugen sich selbst, 22 % verhinderten die Wundheilung von Verletzungen, 22 % kratzten verschiedene Körperpartien mit den Fingernägeln auf, 10 % gaben an, sich die Haare auszureißen und 8 % brachen sich vorsätzlich Knochen oder verletzten ihre Gelenke.

FaktenBearbeiten

Es gibt keine genaue Statistiken mit den Fällen von Selbstverletzenden Verhalten dies sind alles Schätzungen.

  • 0,7% - 1,5% der Deutschen sind von SVV betroffen
  • Häufig sind weibliche Personen von SVV betroffen, die Angaben schwanken von 3:1 (Frauen:Männer) bis 9:1 (Frauen:Männer)
  • Die Krankheit beginnt meistens im Alter zwischen 12 und 15
  • Am Meisten sind Jugendliche im Alter von 13 Jahren betroffen

AltersstruckturBearbeiten

  • ab ca. 11 bis 16 Jahre: 34 %
  • 16 bis 18 Jahre: 29 %
  • 18 bis 20 Jahre: 17 %
  • 20 bis 24 Jahre: 13 %
  • über 24 Jahre: 7 %

HäufigkeitBearbeiten

  • 1 mal: 2 %
  • 25 bis 50 mal: 23 %
  • öfter als 50 mal: 75 %

Angaben zum Aufschneiden der Haut entfiel zu 85 % Prozent auf Extremitäten und 15 % auf den Rumpf.

Im Zusammenhang mit Krankheiten, Störungen etc.Bearbeiten

Borderline-PersönlichkeitsstörungBearbeiten

Das Hauptmerkmal der Borderliner nach außen ist meist das selbstschädigende oder selbstverletzende Verhalten. Dieses Verhalten beschreibt das gegen sich selbst gerichtete Zufügen von Verletzungen und Beschädigungen des Körpers.

Übrigens ist das selbstverletzende Verhalten nicht das typische Anzeichen für ein Borderline-Syndrom. Ein typisches Anzeichen für Borderline ist die Impulsivität dabei. Impulsiv, also durch plötzliche Impulse, wird der Körper selbst beschädigt.

Wenn man sich selbst verletzt heißt das aber nicht gleich, dass man Borderline hat! Denn auch bei anderen Krankheiten tritt dieses Verhalten auf, z.B. bei manischen Depressionen.

Auch nicht jeder mit Borderline schädigt sich selbst.

HilfeBearbeiten

Das NotfalltäschchenBearbeiten

Wenn der Druck wieder zu überhand nimmt oder man sich innerlich leer fühlt helfen oft kleine Dinge um den Druck abzubauen. Dafür haben manche ihr "Notfalltäschchen", wo diese Dinge drin sind, damit man sich nicht selbst verletzt, Drogen nimmt oder ähnliches. Folgende Dinge helfen oft um den Druck abzubauen:

  • Sauere oder scharfe Bonbons
  • Pferfferminzöl (ein paar Tropfen auf den Handrücken und ablecken)
  • Chili
  • Eine harte Bürste
  • Kieselsteine - Bei Bedarf in den Schuh legen
  • Kaugummis - Die eher scharfe Variante
  • Knetball
  • Brausetabletten - Zum direkt einnehmen
  • Gummi für's Handgelenk
  • Coolpack (Kältepacks, die man im Kühlschrank kühlt und bei Bedarf auf die Haut legt)
  • extra scharfer Senf

Auch ablenkung hilft, wie mit diesen Gegenständen:

  • MP3-Player mit entspannender Musik oder Lieblingsmusik
  • Telefonnummern von Freunden zum Reden
  • Das Lieblings-Stofftier
  • Parfüm oder wohlriechende Öle
  • Schokolade - Aber bitte in Maßen
  • Knetgummi, Knetball, Sandsack zum draufschlagen o.ä. - zum abreagieren und ablenken
  • Duschen mit dem Lieblingsduschgel
  • Eincremen mit passender Milch oder Lotion
  • Erinnerungsfotos
  • Postkarten, über die man sich gefreut hat
  • Liebevolle Briefe, die man bekommen hat
  • Emails, die einen aufgebaut haben
  • Rätsel, also Kreuzworträtsel oder ähnliches
  • Videos oder DVDs mit schönen Kinderfilmen - für das verletzte Kind in uns

Dabei sollte man aber auch noch folgendes Beachten: Brausetabletten, Pfefferminzöl, Chili o.ä. nicht in die Augen bringen und nicht allzu oft verwenden, da möglicherweise ein Gesundheitsrisiko bestehen kann. Kältepacks bitte nicht zu lange auf die Haut legen, da sonst lokale Erfrierungen drohen können.

TherapieBearbeiten

Manchmal hilft einem Betroffenen eine Therapie, ob dies aber der Fall ist soll bei einer Untersuchung bestimmt werden. Bei einer Therapie muss der Patient aber wissen, dass keine Psychische Krankheit von heute auf morgen einfach so weg geht. Man ist auch nicht plötzlich gesund, weil man eine Therapie macht, nein, vielmehr ist die Therapie ein langer Weg zur Besserung.

Die zur Zeit gängisten TherapienBearbeiten

Hilft mit eine Therapie?Bearbeiten

Ob eine Therapie erfolgreich ist, hängt von zwei Punkten ab: die Richtige Methode und den richtigen Therapeuten.

Da der Therapeut die Methode festlegt, sollte man zuerst den richtigen Therapeuten finden. Das ist nicht ganz einfach und DEN richtigen Therapeuten gibt es wahrschienlich auch nicht. Sie müssen ihren Therapeuten vertrauen können, deswegen gibt es auch sogenannte "Schnupperstunden", in denen sich Patient und Therapeut erstmal kennen lernen können. Hier sind ein paar Punkte, die sie bei ihrer Auswahl beachten sollten:

  • Schon beim ersten Anruf oder dem ersten Kontakt: Wie kommt der Therapeut rüber, hat er eine angenehme Stimme, wirkt er hektisch?
  • Während der Sitzungen: Hat er genug Zeit für Sie, wird er ständig unterbrochen vom Telefon oder seiner Sprechstundenhelferin?
  • Beantwortet er all Ihre Fragen ausführlich oder fühlen Sie sich abgewiesen?
  • Ist er ausreichend für Sie ausgebildet? Hat er bereits Erfahrungen mit Ihrem Krankheitsbild?
  • Wie lange soll die Therapie dauern, was hat er vor? Stochert er im Nebel oder weiß er, wo es lang geht?
  • Fühle ich mich wohl bei ihm?

Falls der Therapeut zu Ihnen passt, ist es dann natürlich wichtig, die richtige Therapie zu wählen. Dabei kann man nicht nach Schema 08/15 vorgehen, jeder Patient braucht "seine" Therapie. Lassen Sie sich vom Therapeuten erklären, was er vor hat und wie der "Fahrplan" aussieht. Falls Sie mit dem Vorgehen während der Therapie nicht einverstanden sind, sagen Sie das auch! Falls Ihnen Medikamente verordnet werden, fragen Sie nach Wirkungen und auch Nebenwirkungen!

Eine Therapie dauert maximal 100 Stunden, wenn sich kein Erfolg bei ihnen Abzeichnet sollten sie ihren Therapeuten möglichst schnell bescheid sagen, sonst ist die Therapie vorbei und sie sind noch nicht gesund.

MedikamenteBearbeiten

Wenn es bei psychischen Störungen um Medikamente geht, geht es um Psychopharmaka. Diese Medikamente haben eine Wirkung auf das zentrale Nervensystem und beeinflussen die Psyche.

Zur Medikamentengruppe der Psychopharmaka zählen Neuroeleptika, Tranquilizer, Antidepressiva, jedoch auch Schlafmittel, Tranquilizer und Lithium-Salze.

InternetseitenBearbeiten

Tumblr Blogs, die Hilfe anbieten, hier könnt ihr einfach mal eine Frage stellen, wenn ihr reden wollt: